Christuskirche – Niebüll

Die Christuskirche hat zwei Vorgängerkirchen. Die ältere stand bis zur „Grote Mandränke“, der verheerenden Sturmflut von 1362, im heutigen Langstoft. Aufgrund der schweren Sturmflutschäden musste das Gotteshaus abgebrochen werden. Im Dünengelände der neuen Siedlung Niebüll (nie = neu, bull = Dorf) wurde die Kirche im gotischen Stil neu errichtet. 1436 wird Niebüll erstmalig als Kirchort erwähnt.

Der Südstegel von 1778 (neben dem früheren Armenhaus) hat zwei verschieden große Tore, auf denen je drei Symbole in einem Kreuz angeordnet sind: Ringe, Waage und Schwert sowie Kreuz, Herz und Anker. Auf der Nordseite diente der Nordstegel mit einem Torbogen als Eingangstor zum Friedhof, der ursprünglich um die Kirche angelegt war.

  • Aus der Ausstattung der Vorgängerkirchen sind erhalten
    der Taufstein aus Granit, romanisch, 13. Jahrhundert, aus der ersten Kirche in Langstoft
  • die Triumphkreuzgruppe mit Jesus, Johannes und Maria, um 1480
  • der Predigtstuhl (Kanzel) im Emporentypusstil, um 1630. Am Kanzelkorb gibt es mehrere Hermenpilaster (hervorstehende Säulen mit Symbolfiguren nach griechischem Vorbild). Für die des Lesens unkundigen Gläubigen waren die Szenen aus den Evangelien plastischer Anschauungsunterricht. Die drei Stifter der Kanzel werden nur mit Anfangsbuchstaben genannt
  • der Armenblock (Kollektenkasten) am Eingang, 1693 von Boye Feddersen gestiftet
  • die 22 Emporenbilder (früher wahrscheinlich an der alten Nordwand)
  • eine Reihe kunstvoll geschmiedeter Huthaken.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche für die wachsende Gemeinde zu klein. 1728/29 wurde sie daher auf Befehl des Herzogs von Schleswig bis auf einen kleinen Teil der Nordostwand abgebrochen. Für den Neubau in der heutigen Gestalt stiftete König Friedrich IV. von Dänemark 508 Balken, die als Strandgut auf der Insel Sylt angetrieben worden waren.
Am 11. Mai 1729 wurde durch Pastor Otto Heinrich Lützen, Diakon Jacob Friis und Lehnsvogt Broder Bahnsen der Grundstein gelegt. Ihre Initialen befinden sich am West- und Ostgiebel.

Für den Neubau verwendete man die roten Ziegel des abgebrochenen Vorgängerbauwerks. Die gelben Ziegel wurden hinzugekauft.
Am 17. September 1729 wurde die neue evangelische Kirche in Niebüll eingeweiht.

1730 entstand der Hochaltar.
Im Laufe der Zeit wurden kleinere und größere Renovierungen durchgeführt. 1855 überkalkte man den „Wolkenhimmel“ (vergleichbar dem in der Rimbertikiche Emmelsbüll). 1891/92 bekam das Gewölbe eine neue Schablonenmalerei (s. restaurierten Abschnitt am Gewölbe auf der Nordseite). 1912/13 stiftete die Niebüller Spar- und Leihkasse eine „Zentralheizung“. Der „Bochumer Verein“ goss 1881 zwei Gusstahlglocken für das frisch renovierte Glockenhaus. Die alte Bronzeglocke von 1731 wurde verkauft und vermutlich eingeschmolzen.

Die letzte große Renovierung der Kirche fand 1970 bis 1972 statt. Das Gestühl wurde erneuert, die alte mechanische Turmuhr durch ein elektronisches Werk ersetzt, die Zifferblätter vergoldet. Die Kirche wird nun nicht mehr von der Südseite aus, sondern durch den neuen Westeingang betreten. In der Ostwand stört nun kein einfallendes Licht mehr den Blick auf den Altar. Das an der Südwand befindliche Vorhaus (Karnhaus) von 1859, in dem die Särge mit den Verstorbenen standen, wurde abgetragen. Die Chorempore wurde nach Osten vergrößert.

Heute bestimmt der barocke Hochaltar den Innenraum der Christuskirche. Gestiftet haben ihn 1729/30 die Familien Feddersen, Heseler und/oder Bar. Über dem Wappen des Inspektors Fedder Feddersen (zwei gekreuzte Federn über Wasser) wird der gekreuzigte und siegreich auferstandene Christus mit der Siegesfahne dargestellt.
Auf der Bekrönung der südlichen Sakristeiwand (früher Pastorenstuhl, Diakonen- und Sängerstuhl) findet sich das Feddersche Wappen noch einmal. Auf der nördlichen Sakristeiwandbekrönung deuten‘ liegende „Pfriemen“ im Wappen der Familien Heseler/Bar auf den Beruf des Schuhmachers hin.
Rechts und links des Hochaltars stehen Teile alter Abendmahlsbänke und davor der neue Altartisch von 1970.
An der Nordwand der Kirche hängt ein Bild des Deezbüller Malers Carl Ludwig Jessen, das er 1883 zum 400-jährigen Bestehen der Kirchengemeinde Niebüll stiftete. Es zeigt Martin Luther in einer Kopie nach Lucas Cranach d. Ä. Die Erben von Pastor Petrus Axen schenkten der Kirchengemeinde ein Bild aus dessen Nachlass. Der Maler ist unbekannt.

Der Schalldeckel über der Kanzel wurde 1729 von dem Bildschnitzer Jens Sönksen aus Langenhorn geschaffen. Es zeigt die Figur des über Tod und Teufel siegreichen Christus und Engelputten, die der Gemeinde Marterwerkzeuge „vor Augen halten“.
Jens Sönksen schnitzte auch den ersten, nicht mehr vorhandenen Orgelprospekt.
Die Predigertafel zeigt an, dass die Reformation in Niebüll 1580 eingeführt wurde. Sie führt alle seitdem an der Christuskirche tätigen Pastoren und Diakone auf.

An der Südwand hängt eine Entwurfszeichnung der „Heimkehr des verlorenen Sohnes“ von Prof. Hans Peter Feddersen (1848 – 1941) aus dem Jahr 1907. Die farbige Endfassung ist das Altarbild in der Kirche St. Jürgen in Flensburg. Es ist das einzige Bild Feddersens mit einem religiösen Motiv.
Der Messingleuchter mit Löwe und Doppeladler in der Kirchenmitte wurde 1750, der Leuchter über der Taufe 1993 gestiftet.
Auf einer der Gestühlstüren im Südwesten des Kirchenraumes sind spiegelbildlich die Buchstaben BB (anno 1739) zu lesen. Sie deuten auf den Lehnsvogt Broder Bahnsen hin, dessen Familie mit seinen Stiftungen, dem „Stolengeld“, ein Anrecht auf bevorzugte Sitzbänke erwarb.
Im zugemauerten Nordeingang ist die Grabplatte SVNKE JUERSEN (Iwersen) aufgerichtet; im alten Südeingang findet sich eine Bauinschrifttafel von 1729, die Johann Georg von Holstein, Amtmann von Tondern und Träger des Elephantenordens, würdigt.
1975 erhielt die Kirche aufgrund der verschiedenen Christusdarstellungen im Kirchenraum ihren Namen: CHRISTUSKIRCHE.

Die erste Orgel wurde 1729 angeschafft. Sie stammte von Pellworm oder aus Königsbüll/Alt-Nordstrand und stand vermutlich auf der zweiten kleinen Empore. Von 1778-1786 wirkte Ulrich Anton Clausen Fehr (1753-1812) als Organist und Komponist, bevor er als Lehrer an die Bürgerschule von Hadersleben/Haderslev wechselte.
Die Orgelbauwerkstatt Cornells aus Schleswig baute 1855/56 eine neue Orgel. Aber bereits 1896 musste die Orgelbauwerkstatt Marcussen, Apenrade, ein größeres Werk mit einem romanisierenden Prospekt fertigen. Orgelbau Paschen aus Kiel renovierte die Orgel durchgreifend, ein weiterer umfangreicher Umbau mit Erweiterung erfolgte 2025/26, mitfinanziert durch eine Reihe von Sponsoren und die Stadt Niebüll.

Wegen ihrer guten Akustik finden in der Christuskirche neben eigenen Konzerten und Veranstaltungen auch Konzerte überregionaler Kulturträger statt. So sind regelmäßig das Schleswig-Holstein Musik Festival, die International Fiddle School und das dänische Sønderjyllands-Symphonieorchester zu Gast.

Auf dem ehemaligen Kirchhof steht nordwestlich der Kirche als Mahnmal der Stadt Niebüll die Plastik „Mutter“. Hier finden jährlich Gedenkfeiern zum Volkstrauertag statt.
Südwestlich des Doppeltores steht eine Statue aus Muschelkalkstein des Bildhauers Walter Rössler aus Klausdorf/Schwentine. Sie ersetzt das alte Kriegerdenkmal von 1871 unter der „Kaisereiche“.